Streckenwanderungen, Unterwegs
Schreibe einen Kommentar

Bergischer Panoramasteig – Etappe 1 (Ründeroth – Frangenberg)

Bergischer Panoramasteig – Etappe 1

Bergischer Panoramasteig – Etappe 1 | Heute gehts also los mit meiner Streckenwanderung über vier Tage auf dem Bergischen Panoramasteig. Von Ründeroth bis Hückeswagen liegen rund 75 km und etwa 1500 Höhenmeter vor mir. Voll beladen mit Rucksack, Isomatte, Schlafsack & Co laufe ich diesmal allein. Ich will beim Wandern im Bergischen Land ausprobieren, ob ich Spaß an Streckentouren habe, ob das Equipment hält, was es verspricht und schließlich auch wie ich alleine klarkomme.

Übersicht

  • Typ: Fernwanderweg
  • Länge: Etwa 23 km
  • Bergauf: Etwa 566 Meter
    Bergab: Etwa 503 Meter*
  • Ausgangspunkt: Bahnhof Ründeroth, Bahnhofstraße 9, 51766 Engelskirchen
  • Zielpunkt: Frangenberg, 51789 Lindlar *
  • Übernachtung: Wiese der Grillhütte Frangenberg (Kontakt siehe unten)
  • Anspruch: Mittelschwere Wanderung auf Waldwegen und kleinen Pfaden. Festes Schuhwerk erforderlich. Trekkingstöcke sind bei schwerem Gepäck hilfreich.
  • Handynetz nur auf Teilstücken. GPS-Empfang überwiegend gut.
  • Streckensperrungen: Aktuelle Hinweise zu Sperrungen auf Teilstücken gibt es hier (bitte vor der Wanderung ansehen). Im Mai 2020 waren die Umleitungen deutlich ausgeschildert.
  • Gelaufen: 21. Mai 2020

Unterwegs auf dem Bergischen Panoramapfad

Aus Zeitmangel und wider besseren Wissens ist die Planung eher knapp ausgefallen: Für die ersten beiden Nächte habe ich zwar eine Schlafoption. Die dritte Nacht ist noch offen. Um es vorwegzunehmen: Ohne den tollen Support von Trail-Angel Stephan von Lindlar Touristik hätten wohl auch die ersten beiden Nächte ein Problem bereitet. An dieser Stelle also ein ganz dickes Dankeschön nach Lindlar. Überhaupt sind mir unterwegs viele liebe und hilfsbereite Menschen begegnet. Die Bergischen scheinen ein nettes Völkchen zu sein.

Nun stehe ich also „voll aufgerödelt“ nach zwei Stunden Zugfahrt aus Köln in Ründeroth und suche den Eingang ins Vergnügen.

Die einzelnen der zwölf Etappen starten zumeist nicht in den Ortschaften selbst, sondern sind über Zuwege angebunden (blaue Schilder). In Ründeroth führt dieser Zuweg einen Kilometer vom Bahnhof zum eigentlichen Wanderweg. Diese Zuwege sollte man natürlich bei der Berechnung der Tagesetappen einrechnen (habe ich natürlich vergessen).

Der Start in Ründeroth

Also los: Rucksack auf und los geht‘s. Hinter der AWO finde ich den Wegweiser mit dem Einstieg, die Wegmarkierung wechselt von blau auf gelb und ganz kurz frage ich mich, in welche Richtung ich gehen muss. Der Bergische Panoramasteig ist ein Rundweg über 244 Kilometer, kann also in beide Richtungen gegangen werden – und ist natürlich in beide Richtungen beschildert.

Der erste Aufstieg ist bald geschafft, Familien und Vatertagler mit und ohne Bollerwagen ziehen vorbei und der Wald lichtet sich: Der erste der unzähligen Fernblicke breiten sich vor dem Auge aus. Herrlich! Überhaupt: Der Panoramasteig trägt seinen Namen gerade auf der ersten Etappe zu Recht. Sanfte geschwungene Hügel und saftig grüne Maiwiesen soweit das Auge reicht wechseln sich ab mit Misch- und Nadelwäldern.

Aber der Fernblick hat seinen Preis. Auf und ab geht es, es scheint die Schöpfer des Wegs wollten auf keinen Fall einen Anstieg auslassen. Der Schweiß beginnt zu rinnen und die Mittagssonne wird stärker. Macht nichts. Wandern ohne Anstrengung ist ja auch irgendwie nix.

Die Gedanken schweifen hierhin und dorthin, bleiben an abgeholzten Brachen hängen: Der Wald hat sichtlich unter Stürmen und Trockenheit gelitten. Borkenkäfer haben ihnen vielerorts den Rest gegeben. Viele Bäume haben es nicht geschafft und sind gefällt worden. Klimaerwärmung gibts nicht? Mr. President, come to the Bergisches Land. Hier liegt der Beweis festmeterweise.

In den Wald geschickt… – die Wegmarkierung auf dem Panoramasteig

Hinter Blumenau endet das gedankenlose Rumgetappse jäh. Ob ich eine der gelben Plaketten übersehen habe oder ob sie schlicht höherer Gewalt zum Opfer gefallen ist, läßt sich nicht mehr nachvollziehen. Ich jedenfalls ende auf einem kleinen Waldpfad, der nach einigen hundert Metern im Nichts endet. Ein anderer Wanderer – bewehrt mit der offiziellen Wanderkarte – tappst hinterher: „ja – das muss hier richtig sein. Da war kein Schild“. Meinetwegen. Es beginnt ein Aufstieg, wie ich ihn eigentlich gar nicht schätze: Durchs Unterholz, über eine Wiese, querfeldein. Leise Fluche verhallen im Wald. Schließlich findet ich den Pfad natürlich wieder und gelobe mir, besser aufzupassen.

In den allermeisten Fällen sind die Wegmarkierungen des Panoramasteigs gut zu sehen und der weitere Weg ist klar. An einigen Stellen sind die kleinen, gelben Schilder aber entweder von Gestrüpp überwuchert, erst einige Meter weiter angebracht und schlecht zu sehen oder gänzlich dem Kahlschlag zum Opfer gefallen. An diesen Stellen muss man oft suchen und knobeln, welcher Weg der richtige ist. So dramatisch wie es klingt, ist es aber nicht: Bis auf die Stelle hinter Blumenau habe zumindest ich mich nicht verlaufen.
Zusätzlich zu den Plaketten an Bäumen, Zaunpfählen und Laternen stehen an neuralgischen Punkten zusätzlich noch Wegweiser mit Entfernungsangaben.

Flüssiges Gold in Voßbruch

Den ganzen Tag über kommen mir schon mehr oder weniger beschwipste Vatertags-Grüppchen entgegen. Die Bollerwagen-Tradition wird hier scheinbar noch gewürdigt. In Voßbruch treffe ich mal wieder um ein rastendes Grüppchen, die sich um einen großen Kühlschrank versammelt haben: Die Tenne hat zwar wegen Corona geschlossen. Der findige Wirt hab einen Kühlschrank nebst Sparbüchse aufgestellt, an dem sich der durstige Wanderer bedienen kann. Mit 1,50 Meter Sicherheitsabstand und einem kühlen Pils in der Hand plausche ich mit den Ausflüglern, erkläre eins ums andere Mal, dass ich mit Zelt unterwegs bin und was mich ins Bergische verschlagen hat. Schließlich verabschiedet sich die Herrentour in Richtung Grillwürstchen und ich stemme vom flüssigen Gold erfrischt den Rucksack zurück auf den Rücken und gehe meines Weges.

Einkehr in Lindlar

Der Weg führt weiter bergauf und bergab und langsam drückt der Rucksack schwerer auf die Schultern. „Wandern ohne Anstrengung ist ja auch irgendwie nix.“? Naja – Gepäckservice wäre auch eine schöne Sache.

Kurz vor Lindlar und mitten im Wald steht plötzlich der Schlussstein der ersten Etappe vor mir – ich habe es also geschafft. Jedenfalls bis hierher. Die Grillhütte an der ich heute übernachten will, liegt noch ein gutes Stück vor mir.
Da ich aber nach anstrengender Wanderung Hunger habe und außerdem noch Lindlar einen Besuch abstatten will biege ich ab und folge den Zuweg-Schildern in Richtung Altstadt.

Am Marktplatz gibt es eine kleine Auswahl an Gastronomie: Ich entscheide mich ziemlich schnell für das kleine, preislich annehmbare Bistro Et Matt und gönne mir ein vorgezogenes Abendessen. Später in Frangenberg wird es wohl außer einem belegten Brötchen nicht mehr viel geben. Ich lasse es mir also bei Steak, Bratkartoffeln und einem wohlverdienten Bierchen schon jetzt gut gehen. Lecker und unspektakulär.

Die erste Nacht in Frangenberg

Gesättigt und ein wenig erholt mache ich mich wieder auf den Weg. Statt zum Steig zurückzukehren, folge ich Google (Fehler!) über Land- und Nebenstraßen bis ich gegen sieben endlich das Ziel des ersten Tages erreiche. Frangenberg liegt nicht direkt am Bergischen Panoramasteig (ich verpasse also einige Kilometer der zweiten Etappe), aber das ist mir egal: Ich will nur noch mein Zelt aufbauen und die Beine ausstrecken.

Die Grillhütte ist schnell entdeckt und auch das Haus der Betreiberin findet sich schnell: „Wie? Ich dachte Ihr seid eine Gruppe?“ – naja, irgendwas war da in der Kommunikation falsch gelaufen. Obwohl ich eindeutig keine Gruppe bin steht die Reservierung. Ich entrichte meinen Obolus für die Miete und baue mein Zelt auf. Hier oben auf dem Berg gibt es keinen Verkehr und kaum Fußgänger – das einzige Geräusch kommt vom Wind in den Bäumen und von den unzähligen Vögeln. Herrlich!

Ganz entgegen meiner Gewohnheiten im „normalen Leben“ krabbel ich um halb neun in den Schlafsack und lasse mich von den Geräuschen der Natur in den Schlaf begleiten. So soll es sein….

Streckenverlauf Bergischer Panoramasteig – Etappe 1 – Ründeroth nach Frangenberg

Herunterladen

Anmerkungen

Bergischer Panoramasteig – Etappe 1 | Die offizielle erste Etappe endet oberhalb von Lindlar im Wald und ist ein wenig kürzer. Die hier beschriebene Route folgt der ersten Etappe bis zum Ende (Schlussstein) und geht dann weiter über Lindlar nach Frangenberg – also so, wie ich sie gelaufen bin.

Es gibt auf der ersten Etappe keine Versorgungs- oder Einkehrmöglichkeiten (mit Ausnahme von Start und Ziel, sowie dem oben genanten Restaurant Die Tenne). Wer hier unterwegs ist, sollte also genügend Verpflegung und Wasser einpacken.

Wer mit Gepäck unterwegs ist, sollte Trekkingstöcke einpacken, da die Anstiege teilweise doch sehr knackig sein können.

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.